Bürgerinitiative Landschaftsfreunde Overath-Rappenhohn

Was spricht gegen die Bebauung der Landschaftsschutzgebiete in Rappenhohn?

  • Nachfrage ist nicht gleich Bedarf

Die Verwaltung argumentiert es bestünde Bedarf und verweist auf zahlreiche Anfragen nach Baugrundstücken für Einfamilienhäuser. In der aktuellen Sondersituation der sehr niedrigen Zinsen und des sich zur Blase entwickelnden Immobilienmarktes mag die Nachfrage hoch sein. Ein Nachweis für tatsächlichen Bedarf ist das nicht. Es ist nicht bekannt, dass Overather Familien in größerem Umfange obdachlos seien. Auch ist Overath nicht dafür verantwortlich, Kölner Wohnungsprobleme zu lösen. Der Landesentwicklungsplan NRW geht von einer nur noch geringfügig wachsenden Bevölkerung bis 2025 aus.

  • Ausreichend Bestandsimmobilien verfügbar

In den Overather Baugebieten aus den 1960er und 1970er Jahren vollzieht sich der Generationenwechsel. Daher werden sowohl zur Zeit als auch in den kommenden Jahren zahlreiche Bestandsimmobilien zum Verkauf angeboten und stehen an Einfamilienhäusern interessierten Menschen zur Verfügung.

  • Bedarf bezieht sich auf zentral gelegene Mehrfamilienhäuser

Der demografische Wandel, die Altersverschiebung in der Bevölkerungsstruktur führt zu Bedarf an zentral gelegenen Mehrfamilienwohnraum und besondere Lösungen für altersgerechtes Wohnen und gerade nicht nach Einfamilienhäusern auf dem Berg.

  • Fehlende Infrastruktur

Die Kita-Plätze werden auch nach Inbetriebnahme der neuen Kita im Ortskern nicht einmal für die bestehende Bevölkerung ausreichen.

Der Kreisverkehr an der Kirche ist morgens vor Schulbeginn zeitweise überlastet. Fahrzeuge stauen sich dann auf der Straße Ferrenberg bis zum Friedhof zurück. Durch weitere Anwohner wird diese einzige Zufahrt in den Ortskern zukünftig kollabieren.

Die Luftqualität an der Hauptstraße ist schlecht. Weiteres Bevölkerungswachstum würde sich über den zusätzlichen Verkehr hier ebenfalls negativ auswirken.

Die effiziente Overather Stadtverwaltung arbeitet räumlich und personell an der Auslastungsgrenze. Je mehr Bürgerinnen und Bürger zu verwalten sind, desto mehr Personal wird benötigt und desto schneller rückt der Tag näher, an dem der Wunsch nach einem Rathausneubau aufkommt.

  • Anschüttungen erforderlich

Die größte der Flächen auf der die Verwaltung in Rappenhohn Bebaubarkeit schaffen will ist in der Mitte durch einen tiefen Siefen gekennzeichnet. Dieser Bereich wäre nur durch Anschüttungen nutzbar zu machen. Anschüttungen bringen der Sego zwar Geld, aber die entstehende haldenartige Geländeformation ist landschaftlich wenig ästhetisch. Das Ergebnis von solchen Anschüttungen kann man beispielhaft als Landschaftsbild hinter den Netto-Markt in Heiligenhaus besichtigen.

  • Kostenintensive Wasserführung

Unterhalb der großen Fläche, auf der Bebauung geplant ist befindet sich ein Naturschutzgebiet. Die Quellbereiche dieses Naturschutzgebietes wären durch eine Bebauung betroffen. Dadurch entsteht eine Beeinflussung der dortigen Gewässer. Um diese möglichst gering zu halten wären Vorfluter, Regenwassserrückhaltebecken und Staukanäle in der Straße erforderlich.

  • Hoher Naturwert

Alle Flächen in Rappenhohn, auf denen Bebaubarkeit hergestellt werden soll beherbergen zahlreiche, teilweise streng geschützte Tierarten, bspw. Rotmilane, Feldhasen, Fledermausarten, Eulenarten, Füchse, Dachse, Eidechsen, Blindschleichen, Eichhörnchen und Rehe. Am Rande des an die kleinere Fläche angrenzenden Waldes wurde sogar ein Horst des Wespenbussards gesichtet. Die Flächen stehen also aus gutem Grund unter Landschaftsschutz. Unterhalb der größeren Fläche befindet sich ein aus Siefenarmen bestehendes Naturschutzgebiet. Eine Beeinflussung des Naturschutzgebietes kann trotz aufwändiger Maßnahmen zur Wasserführung nicht ausgeschlossen werden. Eine Bebauung muss aus Naturschutzerwägungen abgelehnt werden.

  • Hoher Erholungswert

Die landschaftsgeschützten Flächen, die geopfert werden sollen sind von besonderer Eigenart und Schönheit. Daher verbringen nicht nur die Anwohner, sondern auch Bürgerinnen und Bürger anderer Stadtteile sowie Touristen gerne Zeit dort, bspw. mit Wandern, Spazieren oder einfach nur damit auf der Parkbank zu sitzen, den Ausblick in die Natur zu genießen und die Seele baumeln zu lassen.

Bei Kindern ist die größere der beiden Flächen zum Rodeln und Drachen steigen besonders beliebt. Durch den Netto-Markt ist der Rodelhang in Heiligenhaus weggefallen. Seitdem kommen auch Heiligenhauser Kinder zum Rodeln nach Rappenhohn.

  • Fragwürdige Entscheidungsgrundlage

Bevor für Natur und Erholung wertvolle Flächen genutzt werden, sollten alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sein. Aktuell sind der Verwaltung diese Möglichkeiten nicht einmal bekannt, da ein Baulückenkataster noch immer nicht vorliegt. Trotzdem haben sich Bürgermeister und Fraktionsvorsitzende fast aller Fraktionen durch den Ankauf von Land bereits auf die Umsetzung der Bebauung mehrerer landschaftsgeschützter Flächen im Rappenhohn festgelegt.

  • Fragwürdiger Entscheidungsprozess

Üblicherweise werden kommunalpolitisch bedeutsame Entscheidungen in öffentlichen Sitzungen der zuständigen Gremien, in diesem Falle Bauausschuss und Stadtrat vorgestellt, diskutiert und beschlossen. Im aktuellen Fall stand das Thema in keinem der Gremien auf der Tagesordnung, bis der Presse zu entnehmen war, dass die Stadt Land gekauft und sich damit wirtschaftlich bereits festgelegt hat.

Dieser Entscheidungsprozess ist nicht nachvollziehbar. Welche Optionen geprüft wurden ist unbekannt. Nach welchen Kriterien die Optionen bewertet wurden liegt im Dunkeln. Offen bleibt auch die Frage, warum die Verwaltung ein solches Geheimnis um den Vorgang macht. Ebenso offen ist die Frage, warum der Bürgermeister den berechtigten Fragen der Anwohnerinnen und Anwohner in der Ratssitzung vom 12.07.2017 mit einer solchen Abneigung begegnet ist und sie teils sogar falsch oder gar nicht beantwortet hat.

  • Der Plan widerspricht dem Leitbild, zu dem Overath sich verpflichtet hat

Hier einige Zitate aus dem Overather Leitbild, denen die Planung einer Bebauung der Gebiete in Rappenhohn widerspricht:

– „Bei allen Planungs- und Genehmigungsverfahren wird ein besonderes Augenmerk darauf gerichtet, dass die teilweise kleinteiligen dörflichen Strukturen erhalten und weiterentwickelt werden und sich bauliche Gestaltungen – gerade in Bezug auf weithin sichtbare Hanglagen – harmonisch in das Landschaftsbild „einbetten“.“

– „In Overath wird die Sensibilität für bessere Perspektiven zum Schutz der Natur und Umwelt weit über das gesetzliche Mindestmaß verstärkt. Die Ziele des „Naturpark Bergisches Land“ werden bei allen örtlichen Planungen zum Erhalt und zur Verbesserung des Landschaftsbildes beachtet.“

– „Der Naherholung ist ein hoher Stellenwert einzuräumen. Die Umwidmung von temporären Landschaftsschutzgebieten in Baugebiete wird nur im Einzelfall genehmigt. Naturschutz innerörtlich bedeutet u.a. öffentliche Grünanlagen mit Erholungsfunktion, Baumreihen und kleine grüne Areale; sie alle sind zu fördern.“

– „Durch eine energiesparende Bauleitplanung werden CO² sowie Feinstaub- und Schadstoffausstoß im Stadtzentrum reduziert, keinesfalls erhöht.“

  • Der Plan widerspricht dem Landesentwicklungsplan

Die geplante einreihige, also „bandartige“ Bebauung entlang der Rappenhohner Straße ist laut aktuellem Landesentwicklungsplan zu verhindern. Dort ist zu lesen:

„Bandartige Siedlungen entlang von Verkehrswegen und Splittersiedlungen sind mit einer kompakten, auf zentralörtlich ausgerichtete Siedlungsbereiche ausgerichteten Siedlungsentwicklung nicht vereinbar. Sie können die Funktions-und Leistungsfähigkeit des Freiraumes und des Landschaftsbildes beeinträchtigen. Regional-und Bauleitplanung sind daher aufgefordert, den Freiraum zu schützen (….) und die daraus resultierende bandartige Siedlungsentwicklung zu verhindern.“

 

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